Dienstag, Januar 30, 2007

Die Boot

Nein, in diesem Artikel geht es nicht um die zunehmende Unfähigkeit vieler Bundesbürger Artikel und Nomen zu deklinieren; es geht vielmehr um die weltweit wohl bedeutendste Wassersportmesse, die Boot in Düsseldorf.
Mit einem Kumpel aus Helmstedt, mit dem ich schon im Oktober unterwegs war, siehe LINK, war ich übers Wochenende unterwegs, diesmal mit seinem gemieteten Golf. Die Kosten waren doppelt so hoch wie bei meinem Einser BMW, unter anderem wegen des fehlenden ADAC-Rabatts, des verbindlich gebuchten Navis und den 50€ Aufpreis für Winterreifen. Letzteres ist schon fast ein Skandal, die korrekte Bereifung sollte doch im Januar kein zusätzliches Geld kosten, vor allem wenn nur Ganzjahresreifen montiert sind, die im Test als „sehr mangelhaft bei Schnee“ ausgezeichnet wurden.
Dieses Feature durften wir Samstag morgens gleich testen, es hatte zum ersten Mal in diesem Winter geschneit, und das am 27.1. im Mittelgebirge. Resultat: Rutschpartie am Berg, die nur dank ESP/ASR heil überstanden wurde.
Zum Frühstück wollten wir ursprünglich zum König der Burger gehen, dieser hatte jedoch trotz Autobahnanschluss erst ab 9.00 Uhr auf; die wollen sich anscheinend das Frühstückssortiment sparen. Glücklicherweise war ein „Restaurant“ mit gelbem M in der Nähe. Irgendwie waren wir aber nicht in der Lage es zu finden, erst nach dem wir das etwas zäh zu bedienende VDO-Dayton-Navi zur Hilfe nahmen, konnten wir unsere Frühstückspläne in die Tat umsetzen.
Einige Staus später waren wir dann endlich in Düsseldorf. Das Messegelände ist optimal ausgeschildert, was wir sehr zu schätzen wussten, da das Navi keine Rubrik „Messe“ anbot. Die Hauptattraktion neben den VIP-Parkplätzen (mit Aston Martin DB9, BMW M6, Maybach und dem kompletten Luxussegment von Daimler inkl. SLR) waren eindeutig die Luxusjachten mit ihren zukünftigen Eignern. Schon für ein kleines Schiffchen mit Schlafplatz muss man 100.000€ bei einer der Premiummarken hinlegen. Für „richtige“ Jachten mit einer Länge von 30m dürfen es auch schon 8-stellige Summen sein. Irgendwohin muss man ja mit seinem hart erarbeiteten Schwarzgeld. Den Leuten sah man schon von weitem an, dass ihnen Geld nicht wirklich viel bedeutet, zumindest nicht in gewöhnlichen Größenordnungen. Da darf der Gürtel auch schon mal 1000€, die Handtasche gerne 5000€ kosten. Während Papi sich sein mobiles Haus anschaut, schauen die Knirpse von der Reling und finden es toll auf einem Schiff zu sein. Die Mutter ist gedanklich schon bei der nächsten Shoppingtour in Paris, London oder doch New York...
Die Essenspreise waren dem Publikum angepasst, ein kleiner Pappkarton Wasser lag bei 3€, das dazugehörige Kantinenessen bei 12€, dafür aber Selbstbedienung. Man bekam kaum den Mund zu, wenn man den Tischnachbarn beim Small Talk zuhörte: „Ach weisst du, ich glaube ich verkaufe meine große Jacht, 12m reichen zum Baden aus.“
Am auffälligsten stolzierten jedoch die Bald-Erben herum, von meinem Kumpel nur „Paris-Hilton-Verschnitt“ genannt, was es doch im Kern gut traf, denn gearbeitet hatte noch keiner, zumindest nicht für das bereits ausgegebene Geld.
Der Rest der Messe war relativ unspektakulär, es gab alles von der Urlaubsreise zum Surfbrett bishin zum Direktverkauf von „normalen“ Markenklamotten.
Die Fahrt nach Helmstedt zu meinem Kumpel verlief störungsfrei, schnell (~200km/h Spitze), und dank TDI-Dieseltechnik sogar sparsam.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…
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