Donnerstag, November 23, 2006

Amoklauf

Wieder ist es soweit, was in den USA schon fast zum Alltag gehört, wiederholt sich in Deutschland. Wieder eine gescheiterte Person männlicher Natur. Die Waffen waren zum Teil legal, na sowas unsere Gesetze sind wohl zu lasch. Experten empören sich, wie es denn möglich sei, dass Jugendliche sich so einfach Waffen beschaffen können. Limitierungen beim Waffenerwerb sind natürlich sinnvoll und niemand will diese abschaffen. Wahr ist aber auch, dass man mit ein wenig Geld in jeder größeren (ost-)europäischen Stadt Waffen jeglicher Art erstehen kann. Das Verbot der Werkzeuge wird ihre Existenz nie verhindern können, solange wir keine totale Überwachung haben.
Doch kaum wird bekannt, dass der Abschiedsbrief des Attentäters bereits vorab im Internet stand, hört man Stimmen von fehlenden Überwachungsmöglichkeiten z.B. in Webforen. Wem es da nicht eiskalt den Rücken herunterläuft, ist verloren. Die Gespräche auf dem Schulhof hätte man auch aufzeichnen müssen, vielleicht hat dort der Amokläufer jemandem von seinem Plan berichtet.
Wohl eher nicht, denn befasst man sich mit dem Täter nur ein wenig genauer, liest man bespielsweise seinen auf Telepolis abgedrucken Brief, wird man feststellen, dass er auf dem Schulhof nur "Feinde" gesehen hat. Dezenter Rechtradikalismus, Depression, Isolation, Waffen finden sich. Doch geistige Verwirrtheit kann man nicht erkennen. Vieles kommt einem bekannt vor, teilweise trifft die Gesellschaftskritik sogar zu.
Anscheinend ist eine differenzierte Betrachtungsweise unerwünscht, kommt bei der "breiten" Masse nicht an. Medien und unser Lieblingsministerpräsident aus Nordösterreich ziehen an einem Strang, Killer-Spiele gehören verboten. Ah ja. So einfach löst man also das Problem. Alle persönlichen Probleme des Täters werden einfach ignoriert, und womöglich strukturelle Defizite der Gesellschaft unter den sprichwörtlichen Tisch gekehrt. Doch dort ist so langsam kein Platz mehr. Ca. 50-60% der 20-jährigen Jugendlichen spielt zumindest gelegentlich Killerspiele. Bevor jetzt die Statistiker kommen, wie denn solche Zahlen zu Stande kommen, sage ich diese Zahlen sind nur eine subjektive Schätzung aus meiner Erfahrung. Der empirische Zusammenhang zwischen Egoshootern und Amokläufern will sich mir nicht erschließen, wird den in den USA soviel mehr gezockt?
Drogen sind verboten, sie werden dennoch konsumiert. Von Filesharing haben die Politiker sicherlich auch nur am Rande erfahren. Ja aber, sagen die Psychologen/Hirnforscher/Wichtigtuer. Wer am Tag > 5 Stunden zockt, dessen Gehirn verändert sich. Im Alltag hat man immer größere Probleme. Alles sicherlich korrekt. Die Frage stellt sich aber: Warum spielen die Jungs immer häufiger? Die Ursachen sind doch das entscheidende nicht die Symptome. Wer seine Freizeit komplett in der virtuellen Welt verbringt, bekommt in der "richtigen" Welt zwangsläufig Ärger. Wenn man z.B. den ganzen Tag chattet, liest, träumt, trinkt oder irgendein anderes Hobby exzessiv ausübt wird ähnliches erleben.
Hervorheben muss man bei der Berichterstattung über den Amoklauf die gute Frau Slomka mit ihrem Heutejournal, dort wurden die boulevardtauglichen Verbotsforderungen nicht 1:1 verbreitet. Ansonsten läuft die Propagandamaschinerie jedoch gut durch.
Achso das gibt es ja seit > 60 Jahren nicht mehr.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich stimme dem Artikel von Ferrari987 voll zu. Die Medien wehren sich gegen eine eventuelle Gesellschaftkritik, indem sie sämtliche Ursachen schlicht und einfach in ihren Berichten weglassen und ausschließlich auf die Waffen, die er teilweise schon mit 17 bekam, und auf die Egoshooter, die er gespielt hat, aufbauen.

Sämtliche Leute, die zum Beispiel schon CounterStrike "gezockt" haben, müssten wissen wie man in soeinem Spiel vorgeht. Dort versteckt man sich und verpasst den Gegnern Schüsse in den Kopf um die meisten "Kills" zuhaben.

Angenommen der Amokläufer aus Emsdetten sei von den soo furchteregenden Spiele geprägt geworden. Hat er so schlecht zielen können? Er hat in seiner Aktion komplett andere außer sich keinen getötet. Das ist absolut nicht im Sinne eines Egoshooters.


Ich finde es somit totalen Quatsch über ein Verbot von VideoSpiele zu diskutieren. Hätte er wirklich "Counterstrike" mit echter Grafik (sprich in der Realität) gespielt. Würde von Verletzten keiner Reden.