Jeden Morgen das gleiche Ritual. Aufstehen um kurz vor 6 Uhr, schlaftrunken ins Auto gestiegen, der Tag beginnt. Die erste Erleichterung ist bereits hinter mir, noch ist das Haus in Bezug auf Einbrüche jungfräulich. Unterwegs plagen einen jedoch schon die nächsten Sorgen, platzt ein Reifen, fährt mir jemand ins Auto oder ähnliches. Während der Arbeit ist man weitestgehend abgelenkt von der harten gefährlichen Realität außerhalb des Büros. In Züge kann ich schon lange nicht mehr steigen, mein Leben ist mir zu lieb, als dass ich von einer Kofferbombe physisch zerstreut werde. Vom Fliegen sollte man als vernünftiger Mensch ja sowieso die Finger, bzw. die Füße lassen, man erinnere sich an London oder New York. Kulturelle Einrichtungen sollte man mit Bedacht besuchen, am besten nur die Kindervorstellungen denn dort ist die Gefahr am niedrigsten, dass ein Zuschauer zugehörig zu einer der großen Weltreligionen sich angegriffen fühlt, und sich vor Zorn in die Luft sprengt. Seit dem die Innenstädte mit Kameras ausgestattet sind, gehe ich wieder einkaufen, aber nur bei Tag.
Wer tatsächlich so oder ähnlich denkt und fühlt, für den kommt jegliche Hoffnung zu spät, er ist infiltriert vom allgegenwärtigen Terrorwahn. Der Begriff "innere Sicherheit" wird als Vorwand genommen um ganz den Bürgern schamlos und Stück für Stück die Grundrechte zu entziehen. Als Vorbild dient wie so oft die USA, wo mittlerweile Wohnungen durchsucht und überwacht werden können, ohne einen Richter oder gar den Besitzer fragen zu müssen. Das schlimme daran ist, dass jede Maßnahme für sich nicht wirklich so problematisch ist um einen Aufstand im "Volk" zu erzeugen. Viele "fühlen" sich auch sicher wenn mehrere Glasaugen in ihr Gesicht starren, am besten noch mit einem schnellen Scan um zu notieren, wo man sich wann befunden hat, so hat man im Falle eines Falles ein sicheres Alibi. Werden die Kameras nur einen gut ausgerüsteten Selbstmordattentäter stoppen? Jemanden der sein Leben für eine Gräueltat aufgibt, kann man mit keinen Mitteln aufheben, es sei denn man sperrt ALLE in Käfige. Eine Zeit lang wurden in Flughäfen die Schuhe gescannt, denn dort wurde ebenfalls Sprengstoff gefunden. Handgepäck ohne Flüssigkeiten sind jetzt schon Realität, vermutlich aber nur in der Holzklasse, denn diejenigen die für die gleiche Dienstleistung das doppelte oder mehr ausgeben, sind doch keine Terroristen. Sogar der CIA hat erkannt, dass auch Krieg nichts gegen Terror unternehmen kann, im Gegenteil, denn laut offiziellen Berichten sei die Terrorgefahr nach dem Irakkrieg höher. Der "Präsident" will davon nichts wissen, wie auch, man darf bezweifeln dass er in der Lage ist, diese Berichte zu lesen, geschweige denn zu verstehen. Das amerikanische Volk ist bereits einen Schritt in Richtung gläserner Bürger gegangen, objektiver Medienberichte sei Dank, ohne großen Widerstand. Doch auch die guten deutschen Medien malen jeden Abend an die digitale Wand, wie unsere Sicherheit gefährdet ist. Dieser Umstand alleine mag durchaus zutreffen, die nie oder selten kritisierte Schlussfolgerung man könne sie mit Überwachung und Beschneidung der Freiheit verbessern, ist jedoch fatal. Der geneigte Fernsehzuschauer glaubt irgendwann, schleichend und unbewusst, was man ihm erzählt, man muss es nur lang genug und von allen Seiten gleichzeitig praktizieren.
Die derzeitige Debatte über das umstrittene Opernstück ist nur der Eisberg dieser Entwicklung. Man kann über den Inhalt des Stückes zweifelsohne verschiedener Meinung sein. Aus Sicherheitsgründen es aus dem Spielplan zu streichen ist ein Skandal sondergleichen, die Zensur der Kultur eines Landes, im Namen der Sicherheit.
Aufgrund der "globalen" Situation wird die Terrorgefahr jedoch weiter zunehmen, die innerdeutschen Maßnahmen haben keinerlei positive Auswirkungen für den Bürger.
Hoffentlich ergibt es sich irgendwann, dass das gemeine Volk anfängt zu protestieren, aber ich denke dazu wird es nie kommen, denn die Entwicklung ist schleichend und wird von beiden Volksparteien vorangetrieben.
Zu diesem Thema gibt es zwei recht bekannte Werke. 1984 von George Orwell ist eine doch recht unrealistische Distopie, denn die Menschen werden dort mit Gewalt unterdrückt. In Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" sind alle Menschen zufrieden, obgleich sie nur die Rolle eines Roboters ausüben, ruhig gestellt mit Psychodrogen. Ich denke dieses Werk hat gute Chance, ungewollte Vorlage für unsere Zukunft zu werden.
Die Terrorgefahr mit ihren "unausweichlichen" Konsequenzen ist nur der Anfang.
Donnerstag, September 28, 2006
Terrorgefahr
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1 Kommentare:
Hallo!
Sehr,sehr guter Artikel. Endlich mal einer, der die aktuellen Ereignisse
in Zusammenhang stellt. Ohne dabei die Leute zu ver******.
PS:
Sie müssten den Artikel zu publizieren.
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