Montag, September 04, 2006

Ferrari Renntag

de michael
"Unverhofft kommt oft" lautet ein doch recht altmodisches Sprichwort. Als Samstag Abend mein Nachbar fragte, ob ich denn Karten für die Ferrari Racing Days gebrauchen könnte, traf dieses Sprichwort mal wieder zu. Aus dem geplanten sonntäglichen Ausschlafen wurde ein hektisches Frühstück so ca. 5.45 Uhr. Kurz nach neun waren wir auch schon am Nürburgring in der Eifel wo wir von standesgemäßem Nürburgring-Nieselregen begrüßt wurden. (Wir sind im übrigen mein Bruder und ich) Doch das war wohl der einzige negative Aspekt an diesem Sonntag. Im Fahrerlager sahen wir schon die ersten Ferraris privater Großgrundbesitzer stehen, perfekt sortiert nach Typ und Farbe. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, ein Eldorado für Anhänger schneller, exquisiter Fahrzeuge aus Italien. Die sonst vorhandene Exklusivität wurde aufgrund der schieren Anzahl an Ferraris jedoch eingeschränkt. Besitzer von z.B. F430, F360 Modena, F355, F348, F328, F550, F512 Testarossa waren zu Hauf vertreten. Seltener waren F40, Enzo, F599 Fiorano sowie ältere Modelle zu finden. Interessanterweise gab es nur einen einzigen F50 zu bestaunen, bei dem war sogar die Scheckscheibe (bzw. Heckplastikfolie) geklebt. Doch das in einen Nobelparkplatz umfunktionierte Fahrerlager war nur der Nebenschauplatz, auf der Rennstrecke spielte die Musik. Die Ferrari Challenge fand als obligatorisches Rennen statt, die Autos waren aber nicht sonderlich spektakulär und die Fahrer waren "nur" Hobbypiloten.
Wie schon beschrieben, war man als Besitzer eines gewöhnlichen Ferrari nur einer unter vielen, daher gab es notwendigerweise noch Steigerungen in der Ferrariskala. Ungefähr 10 Formel-1 Renner, allesamt im Privatbesitz, fuhren dementsprechend um die Strecke. Zur Freude der zahlreichen Fans waren darunter unter andernen 2004er Modelle sowie das Auto von Niki Lauda. Man konnte diese Einzelstücke nicht nur beim Fahren erleben, sondern sie "hautnah" in den Boxen betrachten, Fahrerlagerticket sei dank. Es sollte aber noch besser kommen.
14 Uhr deutscher Zeit wurde Michael Schumacher angekündigt und tatsächlich kam irgendwann gegen halb drei ein Helikopter mit dem bestbezahltesten Sportler Deutschlands (oder der Schweiz?) angeflogen. Um seine Box bildete sich schon eine Stunde vorher eine Menschentraub voll autogrammhungriger Fans. Diese wurden enttäuscht, da Schumi wie immer im Stress war und lediglich von einer Tür zur nächsten rannte. Glücklicherweise habe ich gerade im richtigen Moment den Finger auf dem Auslöser meines Kamerahandys gehabt, sodass mir wenigstens eine gut gelungenes Foto des siebenmaligen Weltmeisters bleibt.

Schumacher lieferte sich als erstes ein Rennen mit acht weiteren Besitzern des Ferrari FXX, die auf 30 Fahrzeuge limitierte Rennversion des Ferrari Enzo mit über 800 Pferdestärken. Nach einem Interview mit Kai Ebel nahm er den RTL-Boxenreporter mit zu einer Spritztour mit dem neuen F599 Fiorano. Als krönenden Abschluss fuhr Schumi einige Runden mit seinem Formel-1 Wagen um die Strecke. "Mittendrin statt nur dabei" verfolgten wir dieses Spektakel von der Boxenmauer aus, unserer nicht vorhandenen VIP-Tickets zum trotze.
Was vom Ferrari Renntag bleibt, ist der Eindruck, dass Deutschland noch lange nicht verarmt ist, ein schönes Bild vom Michael, viele Bilder von Ferrari aus aller Welt, und die Spritkosten für 440km Autofahrt.