Letzte Woche hatte ich mal die Gelegenheit eine freie Partition auf einer noch fast jungfräulichen Festplatte zu erwischen, um das sagenumworbene neue Betriebssystem von Microsoft zu testen. Man hat schon viel darüber gehört, DRM-verseucht, hardwarehungrig, nur ein XP mit neuem Aussehen usw. Um eines vorweg zu nehmen meine Anfangsskepsis wurde recht schnell vaporisiert.
Die Installation lief reibungsfrei ab, nach kurzer Zeit erblickte ich den Blau-Grünen Loginscreen von Vista. Die große Überraschung kam nach dem Anmelden. Die spontane Reaktion war "geil". Optisch ist Vista schlicht und ergreifend gelungen, selbst im Gegensatz zu Mac OSX, welches gegen Vista wie sprichwörtlicher Schnee von gestern aussieht.
Aber gut, Optik ist zwar nicht zu vernachlässigen, doch ein Betriebssystem muss stabil und schnell sein. Neue Microsoft Produkte konnten am Anfang ihres Lebens in diesen Kriterien eigentlich noch nie überzeugen. Doch, surprise surprise, Vista ist schnell. Selbst auf einer Onboard-Grafikkarte läuft Aero, die neue grafische Oberfläche wie geschmiert. Selbst bei gedrücktem Windows + Tab, der dreidimensionalen Fensterslideshow, läuft alles flüssig, ja richtig "smooth". Der erste Ausblick auf Vista war also positiver Natur. Auch das neue Startmenü mit integrierter Suche (durchsucht selbst die Emails von Windows Mail) kann mich überzeugen, wobei man dazu sagen muss, dass mein XP-Startmenü nach wie vor auf "klassisch" eingestellt ist. Der Media Player 11 sieht nicht nur, wie eigentlich alles, gut aus sondern liefert guten Sound. Die Visualisierungen stammen jedoch noch vom Media Player 7 und wollen so garnicht zum neuen 3D-Gewand passen. Als alten Firefox-Fan war ich recht gespannt auf den Internet Explorer 7. Dieser ist mehr als eine Kopie des OpenSource Browsers. Die Tabs besitzen eine Vorschau, die Rendering-Engine arbeitet sehr sauber und die Geschwindigkeit ist mehr als gut. Das neue Sicherheitskonzept fällt schon nach wenigen Minuten auf, spätestens wenn man ein neues Programm installieren will, wird man gefragt, ob man dies wirklich erlauben soll. Um die Warnmeldung nicht zu übersehen, wird der restliche Bildschirm abgedimmt. Ob mehr neue Fenster zum Wegklicken wirklich für mehr Sicherheit sorgen, bleibt abzuwarten. Die Systemdateien kann man selbst als Administrator nicht ohne Umwege verändern, das dürfte der Virenbekämpfung zu Gute kommen.
Natürlich hat der Ausblick auf Vista nicht nur sonnige Täler zu bieten sondern auch unwägbare Schluchten. Bei der Installation verschiedener Programme weigert sich der Installer aus Kompatibilitätsgründen. Der NX-Client von NoMachine versucht einen Bluescreen, dessen Optik übrigens unverändert geblieben ist.
Was für Vista spricht ist die Optik, die Geschwindigkeit von Spielen und vom System selbst, das nur für Vista erhältliche DirectX 10.
Dagegen sprechen verborgene Fehler, die wohl erst mit dem ersten Servicepack beseitigt werden, wie bisher bei jeder neuen Version.
Ein weiteres Gimmick von Vista ist der Experience-Index. Bei meinem Testrechner (Pentium D 2,8 Ghz, 1GB RAM, Intel Onboardgrafik) ist dieser 3.0, mit besserer Grafikkarte sollte man 4-5 erreichen können. Endlich gibt es vom Betriebssystem selbst eine zwar limitierte, aber dennoch wirksame Methode die Geschwindigkeit des PCs zu messen. Nächstes Jahr werden im Supermarkt dann (hoffentlich) nicht mehr Ghz beworden, sondern das Vista-Rating, bei dem immer die schwächste Komponente den Ton, bzw. die Punkte angibt.
Alle Vistahasser und Skeptiker, wie auch ich es einer war, sollen einfach mal die RC1 ausprobieren (nicht in einer VM, sonst hat man von den schönen Transparenzeffekten nichts). Wenn man sich kostenlos bei Microsoft registriert, erhält man einen Key mit dem man Vista RC1 auf 10 Rechner aktivieren und bis zum 01.06.2007 testen kann.
Meinen Ausblick auf Vista kann man als "überraschend positiv" zusammenfassen.
Mittwoch, September 13, 2006
Ausblick auf Vista
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10 Kommentare:
Ganz toller Bericht, nur eins passt mir nich:
"Dagegen sprechen verborgene Fehler, die wohl erst mit dem ersten Servicepack beseitigt werden, wie bisher bei jeder neuen Version."
HALLO? Junge du hast die RC1 getestet, nicht die Final-Vista! Klar wirds mit Sicherheit auch SPs für Vista geben, aber den Satz find ich schon enorm daneben, weils einfach so nicht stimmt. Windows Vista ist für seinen Release Customer 1 Status schon sehr viel weiter als mit seinen damaligen Versionen, als diese noch nicht Final waren, was Stabilität und funktionalität angeht. Dass da noch Fehler verborgen sind, ist klar, aber das als Nachteil anzudengeln ist falsch, weil du von dem eigentlich Produkt gar keine Ahnung hast - sondern nur von der RC1, die ja genau dafür gedacht ist, eben diese Fehler zu finden.
Erst mal danke für den Comment.
Ich denke du hast mich etwas fehlverstanden. Auf jeden Fall ist die RC1 recht ausgereift, und wirkliche Fehler konnte ich nicht ausmachen.
Bevor Vista jedoch in Unternehmen wirklich eingesetzt wird, kommt noch 1-2 Servicepack(s) raus. Das heißt so ab 2008 wird es sich erst richtig durchsetzen.
Ein wirklicher (SEHR nerviger Fehler) dürfte ja wohl das nicht funktionierende neue "ActiveSync"-Ersatz sein.
Vielen Dank für das Feedback.
Da haben wir schon die erste Ungereimtheit von Features in Vista. Das ist natürlich bei einem RC1 nichts dramatisches, ich denke aber, dass sich auch in der Final noch einige Bugs befinden werden.
Für ActiveSync habe ich leider kein Endgerät, in Windows XP hat es bei mehreren Kunden problemfrei und auf Anhieb funktioniert, daher befindet sich die Neuerung sicherlich noch im Beta-Status.
Sehr schön erklärt! Kann Dir nur beipflichten.
Ich persönlich habe ab der Beta 2 alle Verionen installiert und muss sagen, das sich in dieser Zeit sehr viel getan hat was: Geschwindigkeit, Stabilität und Optik angeht. Natürlich gibt es in der RC 1 noch einige Dinge die nicht so "schön" sind (z.B. verlust der Netzwerkkonnektivität die ich nicht nachvollziehen kann). Leider hatte ich nur die Möglichkeit, Vista auf einer VMWare zu installieren, aber auch hier war die Performace gut.
Was den Einsatz in einem Unternehmen angeht, wage ich mal lieber keine Prognose. Es sind einfach zu viele Variabeln, die in einem Unternehme wichtig sind. Ich denke auch das der Kostenfaktor eine große Rolle spielen wird. Wenn man sich die Preise so ansieht, wird es für ein Mittelständiges Unternehmen doch recht happig in der Anschaffung. Mal eben Vista für 50 Plätze gekauft, ist da nicht...
Aber alles in allem wir es bestimmt ein schönes BS. Natürlich mit Bugs, aber welches BS kann von sich behaupten das es keine hat.
Wenn es frei verkäuflich ist, werde ich mir sicher eine Kopie kaufen!
Hi, ich finde es großartig zu sehen, dass es Leute gibt die einfach mal Ihren ehrlichen Eindruck bezüglich Windows Vista schildern und dies völlig ohne Polemik, wie ich es inzwischen fast schon gewöhnt bin (vor allem aus dem Heise-Forum).
Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, Vista rockt! Du hast mit dem was du schreibst völlig recht. Der RC1 hat einen erstaunlichen Reifegrad erreicht. Es ist zwar noch nicht alles Eitel-Sonnenschein, aber in dieser Form übertrifft es Windows XP bereits in vielen Punkten. Nach der Beta 2 war ich sehr skeptisch geworden, vor allem da die Performance irgendwohin ins Bodelose fiel.
Wie schon gesagt, ist es einfach erfreulich mal jemanden zu „treffen“, der nicht einfach weil es in ist auf Microsoft und Vista rumhackt.
Mit freundlichem Gruß und Respekt, Frank
Endlich mal ein ehrlicher Beitrag, es ist schon schlimm, was zur Zeit im Netz herumschwirrt von Leuten, die Vista vermutlich nicht einmal gesehen haben. Auch bei mir ist Vista sehr schnell und stabil und ich werde von XP auf Vista umsteigen, sobald die Final verkauft wird.
"Windows Vista ist für seinen Release Customer 1 Status" Soweit ich weiß bedeutet RC = Release Candidate... aber egal... hört sich ja ziemlich nice an.... :) Wobei ich wohl erst mit ner neuen Graka auf Vista wechseln werde, oder wenn ich wirklich von den neuen Features überzeugt sein werde.. ich werd mir vista dann auf meinen zweit rechner probeweise installieren...
:)
Hi,
was die Kompatibilitätsprobleme betrifft: probier mal Rechtsklick auf die Datei -> Eigenschaften -> Compatibility Mode, da dann auf Win XP einstellen. Sollte das nicht helfen dann zusätzlich als Administrator starten (ebenfalls über Rechtsklick).
Falls das auch nicht hilft, am besten Feedback an MS mit Angabe des Programms das nicht geht (genaue Version) und Fehlerbeschreibung. Das Feedback wird wirklich auch ernst genommen und umgesetzt, zumindest war es bei mir so. Ich hatte selbst mal ein Kompatibilitätsproblem gemeldet und das wurde dann auch behoben (Demo von "Die Römer").
Mitlerweile muss ich meine Meinung über Vista etwas revidieren:
Die anfänglichen Inkompatibilitäten und schlechte Treiberverfügbarkeiten sind keine besondere Überraschung. Die 64bit Version wird sich nicht durchsetzen, denn man kann ausschließlich Microsoft-zertifizierte Treiber nehmen.
Ohne HDMI-HDCP-Grafikkarte mit zugehörigem Bildschirm wird mein keine HD-Inhalte abspielen können. Digitalen Sound über S/PDIF kann man dann auch nicht mehr genießen.
Man könnte das jetzt noch ausführen, aber Vista schränkt den User bezüglich Medienwiedergabe doch sehr stark ein.
Aero ist schön, beryl mit aiglx unter Linux aber viel schöner :)
WGA ist fester Bestandteil in Vista, ein weiterer Nachteil.
Das UAC nervt bei jeder Installation rum, umgehen kann man es zudem.
Also ich sehe keinen Grund auf Vista umzusteigen, leider gibt es bei einem neuen Rechner keine Alternative mehr :(
mfg ferrari987
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